Pfarrei Teublitz0004Als vor vier Jahrzehnten, nach dem Bekanntwerden der Abstammungsgeschichte Georg Philipp Telemanns und Saltendorf a. d. Naab, die Telemann-Konzerte in der Wallfahrtskirche „Mariä Heimsuchung“ begonnen wurden, war nicht vorhersehbar, dass daraus eine so große Tradition entsteht. Dass das inzwischen 155. Telemann-Konzert zum Saltendorfer Patroziniumsfest in der Teublitzer Pfarrkirche abgehalten werden musste, hat der Coronavirus verursacht. So konnten im großen Kirchenraum die interessierten Besucher alle aufgenommen werden.



 

Mit musikalischen Gebeten wurde dieses Abendkonzert umrahmt. Die Sopranistin Dagmar Spannbauer und Veronika Miller-Wabra (Harfe) stimmten passend zum Marienfest mit zwei „Ave Maria“-Vertonungen aus dem 16. Jahrhundert ein. „Cantabo Domino“ – Ich will dem Herrn singen mein Leben lang- aus dem Jahre 1625 von Alessandro Grandi gliederte sich passend ins Programm ein: Beide Künstlerinnen erfreuten mit ihren wunderschönen Darbietungen. Pater John zitierte dazu die Verse des „Magnificats“ aus dem Festevangelium des Tages.

Nach diesem frühbarocken Musikblock leitete der Geiger Michael Rauscher mit einem dreisätzigen Violinwerk von Georg Philipp Telemann die hochbarocken Musikstücke ein. Hier glänzte er mit virtuosen und technisch ausgefeilten Musizierstil. Dagmar Spannbauer und Veronika Miller-Wabra stellten mit Händels „Haec est Regina Virginum“ (Dies ist die Königin der Jungfrauen) eine weitere marianische Komposition vor. Die Sängerin zeigte hier, wie bei einer Psalmkantate von Telemann, die große Ausdrucksstärke und Beweglichkeit ihrer wohlklingenden Sopranstimme. Die Harfenistin erwies sich nicht nur als einfühlsame Begleiterin, sondern führte auch glänzend ihr Instrument mit einen „Allegro con spirito“ von John Parry vor. Große Klangpracht mit Echopassagen, Läufen und Arpeggien erfreuten die Zuhörer.

Der abschließende dritte Teil wurde mit Musik der Romantik und zeitgenössischen Komponisten gestaltet. Pfarrer Michael Hirmer ergänzte dabei das Programm mit Psalmlesung und Meditationen zum Magnificat. Ein hochromantisches „Adagio“ für Violine und Orgel von Albert Becker und „Hör‘ mein Bitten/O könnt‘ ich fliegen wie Tauben dahin“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy wurden hier dargeboten. Eine innige Interpretation erfuhr Norbert Hintermeiers Vertonung des Pater Rupert Mayer Gebet „Herr, wie du willst“ in der Darbietung Sopran und Harfe. Bevor mit Arvo Pärts „Vater unser“-Vertonung dieses 155. Telemann-konzert beendet wurde, erlebten die Besucher eine Uraufführung. Seit den Anfängen der Konzertreihe waren immer auch zeitgenössische Werke in den Konzerten vertreten. Uraufführungen, vor allem auch von „Oberpfälzer Komponisten“ (Raimund Sterl, Gertraud Kaltenecker, Karl Norbert Schmid, Thomas Emmerig u.a.) gehörten zu den Besonderheiten dieser Reihe. Für dieses Konzert schrieb der Berliner Komponist Lothar Graap für Michael Rauscher „Drei Meditationen für Violine und Orgel über „Im Frieden dein, o Herre mein“. Der Komponist musizierte bei seinem Besuch im Herbst zusammen mit dem jungen Geiger in der Teublitzer Pfarrkirche. Vor wenigen Wochen übersandte der Komponist dieses neue Werk den hiesigen Musikern. Lothar Graap verarbeitet das bekannte Lied in unterschiedlichen Formen, dynamischen Schattierungen und verschiedenen Tempi zu einem äußerst klangvollen Werk. Abschließend wird der ganze Choral in der Violine zitiert. Michael Rauscher und Norbert Hintermeier musizierten dieses neue Musikwerk vorbildlich und mit größter Sorgfalt und stellten somit eine gute instrumentale Kirchenmusik vor.

Passend zur derzeitigen Situation sang Dagmar Spannbauer als Zugabe und „Abendgebet“ das Lied: „Bewahre uns, Gott“. Diese festliche Stunde mit Gebeten, Musik, Lesungen und Liedern war ein gelungener Abschluss zum Fest „Mariä Heimsuchung“.

Teublitz, 04. Juli 2020