Akku aufladen

Vor kurzem habe ich in einem Radiobericht gehört, dass Kinder und Jugendliche immer kürzer schlafen und dann am nächsten Tag in der Schule übermüdet sind. Schlaf-Killer Nr.1 sei dabei, so der Bericht, das Handy. „Die Kinder und Jugendlichen kümmern sich nachts mehr darum die Akkus ihrer Handys aufzuladen, als ihren eigenen Energiereserven durch genügend Schlaf aufzufüllen.“, lautete das Resümee des Radioberichts.

Ich denke, dieses Phänomen treffen wir überall in unserer Gesellschaft an, nicht nur bei unseren Kindern und Jugendlichen. Alles muss auf Volldampf laufen, überall zählt nur das höchste Tempo, volle Energie, voller Einsatz!

Schauen wir in unsere Arbeitswelt und wir sehen gestresste Arbeitnehmer die immer mehr in immer weniger Zeit leisten müssen, dabei höchst flexibel zu sein haben und immer bereit für Neuerungen zu sein haben. Blicken wir in unsere Bildungseinrichtungen, Kindergärten und Schulen, dann müssen heutzutage alle Kinder hochbegabt sein und am besten schon nach dem Kindergarten das Abi in der Tasche habe. Der Leistungsdruck mit all seinen negativen Folgen für Kinder und Familien ist oft schon in der vierten Klasse unerträglich. Volldampf aber auch im Privatleben. Was muss man heutzutage nicht alles tun, damit man „in“ ist und auf dem Laufenden, damit man gesellschaftlich nicht abgehängt wird. Eine Mode jagt die andere, ein Trend den anderen.

Wo bleibt das die Seele? – Wer lädt unseren Akku auf?

Blicken wir doch einfach mal auf Jesus. Wie hat er das gemacht? Er war ein viel gefragter Mann. Immer drängten sich Menschen um ihn, wollten geheilt werden oder seine Predigt vom Reich Gottes hören. Doch immer wieder weicht Jesus diesem Stress aus und zieht sich zurück „an einem einsamen Ort, um zu beten“ (z.B. Lk 5,16). Heute würden wir sagen: Jesus nahm sich die nötige Zeit und Muse, seinen Akku wieder aufzuladen.

Gebet – Gottesdienst – Sonntag

Unsere Zeit dürste nach Einkehr, nach Kontemplation, nach Besinnung und Quellen der Muse. Deshalb boomen ja auch so die Angebote von Wellness und Co.

Dabei bräuchten wir nur die reiche Schatzkammer der christlichen Spiritualität zu öffnen und das Angebot Gottes nützen, dass er schon in seine Schöpfung geschrieben hat: „Am siebten Tag ruhte Gott“ (Gen 2,2). Gott schenkte uns den Sonntag als einen Tag der Ruhe und Besinnung, des Gebetes und des Gottesdienstes, der Gemeinschaft und des freien Müßiggangs. Schon bei der Schöpfung schenkte uns Gott einen ganzen Tag, um den Akku unserer Seelen aufzuladen. – Nützen wir ihn!

Gottes Segen wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer

Michael Hirmer