Die Feiern vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi

Eine spirituelle Einführung in die Gottesdienste

von Gründonnerstag bis Ostersonntag

„Es war einer der ersten Sonnentage im Park. Viele Menschen waren unterwegs, die ersten Strahlen der Frühlingssonne einzufangen. Doch plötzlich, vor mir auf dem Weg, Geschrei. Ein kleines Kind war hingefallen und begann, vom Schreck des Sturzes herzzerreißend zu weinen. Doch tröstende Hilfe war nahe. Der Großvater beugte sich zu dem Kind hinab, ging in die Knie, tröstete es und nahm es schließlich auf den Arm. Und die Tränen hörten auf zu kullern.“

Sich herabbeugen und aufheben ist auch die Bewegung, die wir an den Kar- und Ostertagen feiern werden. In Jesu Leiden und Tod beugt sich Gott ganz tief in unsere Welt, um uns von dort empor zu heben in die Herrlichkeit des ewigen Lebens. Diese Ab- und Aufwärtsbewegung feiern wir in den Gottesdiensten von Gründonnerstag bis Ostersonntag.

Gründonnerstag – Gottes Liebe hat Hand und Fuß

Am Gründonnerstag beugt sich Gott in unsere Hilfsbedürftigkeit herab. Die Jünger staunen, Petrus reagiert mit Unverständnis! Ihr Rabbi, ihr Meister, gürtet sich und wäscht ihnen die Füße, ein Sklavendienst. Im Johannesevangelium steht dieser Bericht an Stelle der Abendmahlsworte. Dies sagt uns: Gottesdienst feiern nicht nur in prunkvollen Liturgien, sondern im alltäglichen Liebesdienst am Nächsten. In der Gründonnerstagsliturgie vom „letzten Abendmahl“ feiert unsere Gemeinde die sich herabbeugende Liebe Gottes, die wir bei der Feier des Gottesdienstes und im Dienst am Nächsten erfahren.

Gott beugt sich weiter herab: In unsere Angst, in unsere Einsamkeit! Die Gründonnerstagsliturgie geht nahtlos über in das verzweifelte Beten Jesu am Ölberg: „Herr lass diesen Kelch an mir vorübergehen! - Aber dein Wille geschehe.“ Der Altarraum ist leer, der Tabernakel ausgeräumt, der Altar entblößt. – In Angst und Einsamkeit ist oft nichts mehr, woran wir uns festhalten können: Alles ist leer! Nur Jesu Schrei nach Gott trägt und begleitet uns in den Anbetungen durch die Nacht hin zum Karfreitag.

Karfreitag – Gottes Liebe bis in den Tod

Und Gott beugt sich noch weiter. Ins scheinbare Nichts des Todes. Das Kreuz war das Zeichen, an dem ein von Gott Verfluchter starb. Ein Nichtswürdiger, ein Niemand, einer, der schon im Leben tot war, von Gott und den Menschen abgeschnitten. – Doch Gott ist gerade da, wenn alles leer ist im Leben, nichts mehr ist, einfach tot und vergessen, keine Zukunft, aus.

Die Kirche feiert dieses absolute Hinabbeugen Gottes in das Nichts des Todes mit der schlichten Karfreitagsliturgie. Sie endet still, es ist aus und vorbei. Gott am Tiefpunkt, am Ende. Karsamstag ist Funkstille.

Ostern – Gottes Liebe hat gesiegt

Funkstille herrscht auch noch zu Beginn der Osternachtsfeier. Die Kirche ist dunkel, noch kein Licht. Doch langsam, ganz langsam keimt Hoffnung. Es ist nicht aus! Das Dunkel wird vom Licht verdrängt! Der Tod vom Leben überwunden! Deshalb versammeln wir uns um das Osterfeuer und entzünden die Osterkerze. Der Lichtjubel dieser einen Kerze überwindet die Dunkelheit der Kirche und breitet sich aus.

Im Schein des Osterlichtes werden Texte aus dem alten Testament verlesen: Hinweise auf Gottes verheißungsvolle Zusagen an sein auserwähltes Volk. Die Hoffnung steigert sich langsam in feste Zuversicht: Die Zuversicht steigert sich in Gewissheit: Jesus lebt! Die Gemeinde singt voll Freude das Gloria und das österliche Halleluja, um schließlich die frohe Botschaft von der Auferstehung Christi zu hören. – Gott hat seinen Sohn aus dem Dunkel des Grabes ins Licht der Auferstehung emporgehoben.

Aber dabei soll es nicht bleiben. Auch uns hat Gott schon aus dem Tod ins neue Leben gehoben. Dies feiern wir wenn wir feierlich das Wasser segnen und Kinder taufen. Das Eintauchen und Auftauchen ist symbolisch für die Bewegung, die Gott mit uns gegangen ist. Wir sind eingetaucht in den Tod, aber Gott hat uns herausgezogen in seine Herrlichkeit. Jedes mal wenn wir eine Taufe feiern geschieht Auferstehung, wird der alte Tod überwunden.

Als getaufte Kinder Gottes versammeln wir uns dann um den Altar, um Eucharistie zu feiern: „das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung seines Sohnes“.

Pfarrer Michael Hirmer